Archäometrische Keramikanalysen in Ephesos

Neben typochronologischen Studien bilden naturwissenschaftliche Materialanalysen einen integralen Bestandteil der Keramikforschung in Ephesos. Das reiche und vielfältige Keramikspektrum von der Prähistorie bis ins Mittelalter bietet beste Voraussetzungen für diachrone Vergleichsanalysen zur Zusammensetzung und Herstellungstechnologie diverser Warengattungen.

Die Charakterisierung der mineralogischen und chemischen Bestandteile der gebrannten Tonartefakte erlaubt eine Differenzierung in Stücke lokaler Herkunft und Importkeramik. Dies ermöglicht einerseits, die weit reichenden Handelsbeziehungen von Ephesos dort zu rekonstruieren, wo typologische Klassifizierung oder makroskopische Beobachtungen alleine nicht ausreichend sind. Andererseits können lokale ephesische Keramikprodukte im Detail definiert und im Kontext der natürlichen geologischen Rohstoffressourcen der Umgebung betrachtet werden.

Ein Fokus liegt in diesem Zusammenhang verstärkt auf der Identifikation einzelner Tonrezepturen und technologischer Signaturen, die in den verschiedenen chronologischen Perioden bezeugt sind. Aussagen zur Verfügbarkeit des Rohtons, zu funktionalen Aspekten der Keramik, den Vorlieben und der kulturellen Identität der Töpfer sowie ansatzweise der Organisation von Keramikwerkstätten vor dem historischen Hintergrund können dadurch getroffen werden.

 

Analysemethoden

Für die archäometrische Bearbeitung des ephesischen keramischen Fundmaterials werden vor allem petrografische Dünnschliffanalysen eingesetzt. Seit dem Jahr 2012 verfügt das ÖAI über die technische Ausrüstung, solche Dünnschliffe herzustellen und diese polarisationsmikroskopisch auszuwerten. Mit diesem Equipment können nun auch im Grabungshaus in Selçuk Keramikproben präpariert werden.

Präzise Herkunftsbestimmungen werden durch Schwermineralanalysen und geochemische Untersuchungen unterstützt. Letzte umfassen Rasterelektronenmikroskopie (REM), Röntgenfluoreszenzanalysen (XRF) und Neutronenaktivierungsanalysen (NAA), die in Kooperation mit anderen nationalen und internationalen Forschungsinstituten durchgeführt werden.

 

Aktuelle Forschungsschwerpunkte

Derzeit widmen sich archäometrische Untersuchungen der ›Grauen Ware‹ von Ephesos, der Pergamenischen Importkeramik und der dünnwandigen Ware. Wesentlich ist dabei eine Abgrenzung dieser Keramikgattungen gegenüber anderen zeitgleichen Warengruppen. Ferner gilt es zu klären, ob diese Keramikgruppen ephesischen Werkstätten entstammen und damit lediglich morphologisch Vorbilder aus dem gesamten Mittelmeerraum rezipieren.

Ein repräsentatives Spektrum hellenistischer bis byzantinischer Amphoren aus der Hafennekropole soll anhand naturwissenschaftlicher Methoden an seine Ursprungsorte rückverfolgt werden und somit wechselnde Wirtschaftsbeziehungen von Ephesos über die Jahrhunderte ersichtlich machen.

Mit geplanten Untersuchungen zur frühbronzezeitlichen Gebrauchskeramik und metallurgischen Keramik vom Çukuriçi Höyük soll ein Desiderat der ephesischen Keramikforschung geschlossen werden. Archäometrische Daten zu prähistorischer Keramik fehlen bis dato gänzlich und bieten nicht nur Potenzial für die Identifikation neuer Tonrohstoffe, sondern tragen auch dazu bei, mögliche Beziehungen zwischen Keramik- und Metallindustrie zu konstatieren.

 

 

Literatur (Auswahl)

  • M. Akurgal – M. Kerschner – H. Mommsen – W.-D. Niemeier (Hrsg.), Töpferzentren der Ostägäis. Archäometrische und archäologische Untersuchungen zur mykenischen, geometrischen und archaischen Keramik aus Fundorten in Westkleinasien, ErghÖJh 3 (Wien 2002).
  • S. Ladstätter – R. Sauer, Late Roman C Ware in Ephesos. The significance of imported and local production by petrological and mineralogical methods, in: V. Kilikoglou – A. Hein – Y. Maniatis (Hrsg.), Modern trends in scientific studies on ancient ceramics. Papers presented at the 5th European Meeting on Ancient Ceramics, Athens 1999, BARIntSer 1011 (Oxford 2002) 323–333.
  • S. Ladstätter – R. Sauer, Late Roman C Ware und lokale spätantike Feinware aus Ephesos, in: F. Krinzinger (Hrsg.), Spätantike und mittelalterliche Keramik aus Ephesos, AForsch 13 = DenkschrWien 332 (Wien 2005) 143–210.
  • R. Sauer – S. Ladstätter, Mineralogisch-petrographische Analysen von frühbyzantinischen Ampullen und Amphoriskoi aus Ephesos, in: F. Krinzinger (Hrsg.), Spätantike und mittelalterliche Keramik aus Ephesos, AForsch 13 = DenkschrWien 332 (Wien 2005) 125–136.
  • R. Sauer – S. Ladstätter, Petrografisch-mineralogische Analysen ausgewählter Amphoren und Küchenwaren, in: M. Steskal – M. La Torre (Hrsg.), Das Vediusgymnasium in Ephesos. Archäologie und Baubefund, FiE 14, 1 (Wien 2008) 173–186.
  • R. Sauer – Y. Waksman, Laboratory investigations of selected medieval sherds from the Artemision in Ephesus, in: F. Krinzinger (Hrsg.), Spätantike und mittelalterliche Keramik aus Ephesos, AForsch 13 = DenkschrWien 332 (Wien 2005) 51–66.

 

 

Kontakt

Lisa Peloschek