Bonda Tepesi

Projekte: Geografische Übersicht

Das Bonda Tepesi-Projekt: Feldforschungen in der Chora von Limyra

Karte des Bonda-Gebiets im Südwesten des Territoriums von Limyra (nach A. Konecny und T. Marksteiner)
Karte des Bonda-Gebiets im Südwesten des Territoriums von Limyra (nach A. Konecny und T. Marksteiner)

Von 1994–1999 sowie 2006 fanden unter der Leitung von Thomas Marksteiner (damals Universität Wien, später ÖAI) und Michael Wörrle (DAI/AEK München) auf dem Territorium der ostlykischen Polis Limyra Feldforschungen statt. Diese verfolgten das Ziel, das Gebiet des Bonda Tepesi, eines Gebirgsausläufers, der die Grenze zur westlich gelegenen Nachbarpolis Myra bildete, erstmalig eingehender zu untersuchen und somit die Geschichte und Entwicklung Limyras nicht nur anhand der Forschungen im Poliszentrum, sondern auch in der Chora zu beleuchten.

 

Im Zuge dieser Unternehmung wurden auf dem Yalak Başı, einer der Erhebungen des Bonda Tepesi, ein dörflicher Siedlungsplatz von erstaunlicher Bauqualität sowie ein außergewöhnliches ländliches Heiligtum aufgenommen. Wegen der damaligen, am raschen Erreichen eines Gesamtbildes orientierten Zielsetzungen, der schwierigen Zugänglichkeit des Gebiets und personeller wie zeitlicher Einschränkungen wurden zahlreiche Befunde nur summarisch bearbeitet und viele Fragen lediglich angeschnitten. Erste Beschreibungen und Interpretationen beider Örtlichkeiten, die neben den Lesungen der zugehörigen Inschriften in diversen Aufsätzen von T. Marksteiner und M. Wörrle vorgelegt wurden, spiegeln einerseits diese Situation wider und bilden andererseits eine vorzügliche Grundlage für eine weitere intensivierte Erforschung des Bonda-Gebiets.

 

Da die Fortführung dieser Untersuchungen T. Marksteiner selbst nicht vergönnt waren, wurde 2012 von B. Marksteiner-Yener, M. Wörrle und O. Hülden ein neues österreichisch-türkisch-deutsches Forschungsprojekt auf dem Bonda Tepe initiiert. Dessen erste Vorkampagne fand im Juli 2013 mit freundlicher Genehmigung der türkischen Antikenverwaltung in Ankara als Kooperation zwischen dem ÖAI, der AEK des DAI, dem Archäologischen Museum Antalya (M. Demirel) und dem Institut für Klassische Archäologie der LMU München statt.

 

 

Die Arbeiten auf dem Yalak Başı in der Kampagne 2013

Der Yalak Başı ist ein ca. 600 m hoher Gipfel im Osten des Bonda-Gebiets, dem modernen Finike am nächsten gelegen. Über sein Plateau und dessen südöstlichen Hang erstreckt sich eine aus ca. 20–30 mehr oder weniger komplexen Gebäudeeinheiten bestehende ländliche Siedlung. Obgleich diese gegenüber den übrigen im Bonda-Gebiet nur durchschnittlich gut erhalten ist, sind die Grundrisse der einzelnen Bauten noch gut nachzuvollziehen. Erschwert wird die Situation lediglich dadurch, dass die Siedlung offensichtlich im Laufe ihrer Jahrhunderte währenden Geschichte mehrere Um- und Ausbauphasen erfuhr.

Gerade darin liegt allerdings die große Chance für die archäologische Auswertung. Der oberirdische Erhaltungszustand ist so gut, dass er nach systematischer und detaillierter Aufnahme eine ideale Ausgangsbasis für eine relativchronologische Trennung einzelner Bauphasen bildet. Im Anschluss dürfte sich die Entwicklung der Siedlung, deren Bauten teilweise einen wehrhaften Charakter zeigen, dann auch weitgehend rekonstruieren lassen. Eine Kombination aus Mauerwerksanalysen und Keramikdatierungen mag zudem eine absolutchronologische, zumindest auf Epochen genaue Einordnung einzelner Phasen wie einzelner Gebäude erlauben. Eine genaue Kartierung der einzelnen Befunde dürfte darüber hinaus eine funktionale Bestimmung einzelner Bereiche ermöglichen – etwa eine Scheidung von Wohn- und Wirtschaftsbereichen oder von solchen mit öffentlichem Charakter.

 

Im Sommer 2013 wurde vor diesem Hintergrund im Osten der Siedlung und in der zugehörigen Nekropole mit der detaillierten Befundaufnahme begonnen, um dem bisherigen Bild, das beispielsweise lediglich von einer Gründung in klassischer, spätestens aber hellenistischer Zeit, einer Ausdehnung in der Kaiserzeit, einer anschließenden Reduktion und letztendlichen Auflassung in frühbyzantinischer Zeit ausging, deutlich mehr Kontur zu verleihen.

Weitere Aktivitäten betrafen die schon angesprochene, unterhalb östlich der Siedlung des Yalak Başı gelegene Kultstätte, die einer bis zu ihrer Entdeckung fast völlig unbekannten lykischen Gottheit mit Namen Sumendis geweiht war. Es handelt sich um ein wohl kaiserzeitliches Freiluftheiligtum, das im Wesentlichen aus auf verschiedenen Geländeterrassen aufgestellten Votiven unterschiedlicher Größe und Form bestand. Während M. Wörrle die zahlreichen Inschriften bereits erschöpfend ausgewertet hat, bedurften Fragen nach der konkreten Struktur des Heiligtums und seiner genaueren chronologischen Eingrenzung der weiteren Klärung.

 

Hierzu wurde das ca. 20 × 20 m große Areal weitgehend vom Bewuchs befreit, was nicht nur ein besseres Studium der einzelnen Monumente erleichterte, sondern auch zu einigen Neufunden von Votiven und -fragmenten führte – darunter auch solche mit Inschriftenresten. Außerdem wurde im Anschluss ein 3-D-Laserscan des gesamten Bereichs erstellt, der die Grundlage für einen exakten Plan bilden soll. Dieser wird dann nicht nur die einzelnen Monumente in der richtigen Lage zueinander wiedergeben, sondern ebenso den ungefähren Aufbau des Heiligtums, seine Zugangsmöglichkeiten und seine Lage innerhalb der Landschaft.

Um Aussagen über die generelle Datierung der Kultstätte als kaiserzeitlich hinaus treffen zu können, erfolgte einerseits eine systematische Dokumentation der Oberflächenkeramik, andererseits wurden auf jenen beiden Terrassen, die das Zentrum des Heiligtums bilden, zwei Grabungsschnitte aufgemacht. Eine Stratigrafie kam dabei erwartungsgemäß nicht zutage, aber aus den in großer Zahl angetroffenen Keramikscherben wird sich nach endgültiger Analyse zweifellos ein Datierungsrahmen im Sinne einer Nutzungsdauer des Heiligtums ergeben.

 

Neben Untersuchungen in der Siedlung und am Heiligtum fand eine Dokumentation diverser Befunde im näheren Umfeld des Yalak Başı statt. Bei den aufgenommenen Fundplätzen handelt es sich vor allem um ein von einem mehrräumigen und geradezu monumentalen Kernbau dominiertes, vielleicht noch hellenistisches Gehöft samt Nebengebäuden und mehreren Pressanlagen. Darüber hinaus wurde ein sicher hellenistisches Turmgehöft mit vollständig erhaltenem Untergeschoss dokumentiert, das ebenfalls über Nebenbauten und eine weitere Presse verfügte. Schließlich wurden mittels GPS auch einige antike Wege eingemessen, die sich zu einem regelrechten Netz zusammenfügen und größtenteils heute noch als Ziegenpfade in Benutzung sind.

 

 

Perspektive

Die selbst im Vergleich zu anderen lykischen Regionen hervorragende Erhaltung der antiken Bausubstanz auf dem Bonda Tepe und die Ungewöhnlichkeit der dortigen dörflichen Siedlungsplätze, von denen neben demjenigen auf dem Yalak Başı noch mindestens sieben weitere existieren, spricht zweifellos dafür, sämtliche in diesem Bereich noch oberirdisch sichtbare Siedlungsreste zu erforschen. Insofern sollen 2014 zunächst die Arbeiten in der Siedlung auf dem Yalak Başı abgeschlossen werden. Anschließend soll auf der Basis der Vorarbeiten von T. Marksteiner und seinen Mitarbeitern in einem intensiven Survey der gesamte Bonda Tepesi erfasst werden. Das ist nicht nur dem Erhaltungszustand der antiken Ruinen angemessen, sondern es sind vor allem Antworten auf wichtige wissenschaftliche Fragestellungen zu erwarten, die beispielsweise die Nutzung, Strukturierung und Entwicklung zumindest eines Teils der Chora der Polis Limyra betreffen.

 

 

Literatur

  • A. Konecny, Lykische Ölpressen. Einige Ölpressen auf dem Bonda Tepesi und im Gebiet von Istlada, ÖJh 67, 1998, Beibl. 121–194.
  • T. Marksteiner, Der Bonda-Survey: Archäologische Feldforschungen auf dem Territorium der ostlykischen Polis Limyra, in: F. Kolb (Hrsg.) Chora und Polis, Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 54 (München 2004) 271–290.
  • M. Wörrle, Ermandyberis von Limyra, ein prominenter Bürger aus der Chora, in: F. Kolb (Hrsg.) Chora und Polis, Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 54 (München 2004) 291–303.
  • T. Marksteiner, Wehrdörfer im Bonda-Gebiet, in: K. Dörtlük u. a. (Hrsg.), The IIIrd International Symposium on Lycia, 07–10 November 2005. Symposium Proceedings (Antalya 2006) I, 441–458.
  • T. Marksteiner – B. Stark – M. Wörrle – B. Yener- Marksteiner, Der Yalak Başı auf dem Bonda Tepesi in Ostlykien. Eine dörfliche Siedlung und ein ländlicher Kultplatz im Umland von Limyra, Chiron 37, 2007, 243–293.

 

 

Kontakt

 

Banu Marksteiner-Yener (ÖAI Wien)

Oliver Hülden (Institut für Klassische Archäologie, LMU München)

Michael Wörrle (DAI/AEK München)