Projekte: Geografische Übersicht

Die Hafenanlagen

Ein Forschungsschwerpunkt liegt in der Untersuchung des Flusssystems und der Hafenanlagen von Aquileia. Die geophysikalischen Prospektionen, Surveys und archäologischen Rammkernsondierungen 2011–2014 erbrachten neue Erkenntnisse zum Straßenraster, zu den Flussläufen und Kanälen sowie zu den Hafeninstallationen. Über den in römischer Zeit gegrabenen ›Canale Anfora‹ sowie die Flüsse Natissa und Terzo ist die Stadt mit der Lagune und dem offenen Meer verbunden. Bis in das 3. Jh. n. Chr. stellte der 15–25 m breite, vom Stadtzentrum Aquileias nach Westen bis zur Lagune verlaufende ›Canale Anfora‹ den kürzesten und wichtigsten Zugang zur Adria und zum endolittoralen Flusstransport dar. Dieser Transportweg steht im Mittelpunkt der Forschungen zu den Hafenanlagen. Nördlich und südlich des ›Canale Anfora‹ zeichnen sich in den geophysikalischen Messdaten lineare, längsrechteckige Strukturen ab. Letztere sind als Straßen und an den Kanälen gelegene Landungsstege bzw. Kaimauern sowie bis zu rund 80 m lange Hallen- und Speicherbauten zu interpretieren. 2011 wurde an der Südseite des ›Canale Anfora‹ eine neue Hafenanlage entdeckt (›Westhafen‹). In den geophysikalischen Messdaten und Luftbildern sind im Abstand von ca. 10 m parallel verlaufende, 300 m lange lineare Strukturen eines Hallenbaus zu erkennen, Teile dieser Halle wurden im Bereich eines spätantiken Torbaus bereits im 20. Jh. ergraben. Die Anlage entspricht in Größe und Grundriss der Lagerhalle des im Ostteil der Stadt am Fluss Natissa gelegenen, bislang bekannten und archäologisch untersuchten Hafens (›Osthafen‹). Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil des Aquilenser Warenverkehrs bis in das 3. Jh. n. Chr. über den ›Canale Anfora‹ abgewickelt wurde. Ab der Mitte des 3. Jhs. n. Chr. verlandete dieser Kanal, ein Abschnitt des Kanals wird in konstantinischer Zeit mit dem Circus und der spätantiken Stadtmauer überbaut.

 

Nördlich und südlich des ›Canale Anfora‹ befinden sich die beiden im Frühjahr 2013 untersuchten, 2,4 ha großen Surveyflächen. Es zeigt sich eine deutliche Konzentration von Baukeramik auf einem ca. 20 m breiten Streifen südlich des ›Canale Anfora‹, wo auch östlich der Surveyfläche der ›Westhafen‹ anschließt. Parallel zum Kanal führt eine Straße vom Stadtzentrum nach Westen. In den geophysikalischen Messdaten erkennbare, längsrechteckige Strukturen deuten auf die Präsenz großer Lagerhallen/Horrea. Die Gesamtzahl der Keramik- und Metallfunde des Surveys beläuft sich auf ca. 77.500 Stück.

 

Anhand der Verteilung von Oberflächenfunden des Surveys 2013 und punktuellen älteren Grabungen ist von einer Datierung dieses Hafenareals vom 1. Jh. v. Chr. bis in das 3. Jh. n. Chr. auszugehen. Das westliche Suburbium von Aquileia wird danach bis zur Mitte des 6. Jhs. n. Chr. als Werkstattviertel (u. a. Glasproduktion) und Abfalldeponie genutzt.

 

 

Literatur

  • S. Groh, Research on the Urban and Suburban Topography of Aquileia, in: NTA-2012. Proceedings of the 2nd Workshop on The New Technologies for Aquileia, Aquileia, Italy, June 25, 2012, Internetpublikation <http://ceur-ws.org/Vol-948/> (14. 12. 2012) D 1–11.
  • S. Groh, Ricerche sull’urbanistica e le fortificazioni tardoantiche e bizantine di Aquileia. Relazione sulle prospezioni geofisiche condotte nel 2011, AquilNost 82, 2011 (2013) 153–204.
  • S. Groh, Forschungen zur Urbanistik und spätantik-byzantinischen Fortifikation von Aquileia (Italien). Bericht über die geophysikalischen Prospektionen 2011, ÖJh 81, 2012 (2013) 67–96.
  • S. Groh – F. Schimmer, Neue österreichische Forschungen in Aquileia (Italien), AÖ 24/2, 2013, 59–63.

 

Kontakt

Stefan Groh

Florian Schimmer

Patrizia Donat