Projekte: Geografische Übersicht

Typen des Ludus in Aquileia

Die im Rahmen der 2011–2013 in Aquileia intra muros vorgenommenen geophysikalischen Prospektionen mit Magnetik und Georadar erbrachten neue Erkenntnisse zu den drei Bauwerken des Ludus: Theater, Amphitheater und Stadion. Alle drei Monumente sind, heute nicht mehr sichtbar, im Westteil der Stadt situiert – das Stadion im äußersten Nordwesten, das Theater im Mittelteil und das Amphitheater im Südwesten. Sie befinden sich außerhalb der republikanischen und innerhalb der spätantiken Stadtmauern in der westlichsten Insula-Reihe der Stadt. Die bis dahin vorgenommenen planimetrischen Einmessungen der Monumente des Ludus basieren auf sehr heterogenen Daten: Das Stadion und das Amphitheater können durch ältere Grabungen recht präzis lokalisiert werden und wurden bereits im neuen Stadtplan des Jahres 2009 publiziert. Die geophysikalischen Messergebnisse erlauben jedoch eine Komplettierung und Ergänzung der alten Grabungspläne und neue Aussagen zur Einbindung in das intra- und extraurbane Straßennetz der Kaiserzeit sowie der Spätantike.

 

Das Stadion ist mit seiner Größe von ca. 83 m Breite und 520 m Länge und seiner topografischen Lage im Stadtbild mit jenem in Mediolanum-Mailand vergleichbar. Es wurde im ausgehenden 3. bzw. beginnenden 4. Jh. n. Chr. über einem Fluss bzw. einem kaiserzeitlichen Werkstattviertel errichtet und in die spätantike Fortifikation einbezogen. Geoarchäologische Untersuchungen, die in Kooperation mit dem Geografischen Institut der Universität Köln erfolgen (H. Brückner) erfolgen, bezeugen 2 m mächtige Aufschüttungen über dem Werkstattviertel sowie Planierungen, die im Zuge der Anlage der Arena aufgebracht wurden. Im Zuge eines intensiven Surveys im Bereich der Arena kann, im Zuge der Analyse von ca. 55.000 Fundstücken, auf die jüngste Nutzungsphase bzw. den Aufgabehorizont des innerhalb der spätantiken Stadtmauer gelegenen Areals geschlossen werden.

 

Das Amphitheater von Aquileia besitzt einen (in Ergänzung) rund-ovalen Grundriss von 160 m Länge und 124 m Breite. Es folgt dem von J.-Cl. Golvin definierten Typ des ›amphithêatre à structure pleine avec cavea supportée par des compartiments‹. Die Arena wurde in einer natürlichen Geländesenke oder in den bestehenden Boden eingetieft, der Typ datiert in bautypologischer Hinsicht in augusteisch/iulisch-claudische Zeit.

 

Die Position, Größe und Ausgestaltung des Theaterbaus waren bislang nicht klar – hier sind die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Feldforschungen zu konstatieren. Die geophysikalischen Messungen zeigen den Grundriss der ca. 104 m langen und 52 m breiten Cavea mit ihren Substruktionen, die Orchestra und Teile des Bühnengebäudes. Als Konsequenz der neuen Untersuchungen ist es erstmals möglich, den Bau in den Gesamtplan der Stadt exakt einzufügen sowie typologische Baudetails und die Einbindung des Bauwerks in den Stadtplan zu diskutieren.

 

Literatur

  • S. Groh, Ricerche sull’urbanistica e le fortificazioni tardoantiche e bizantine di Aquileia. Relazione sulle prospezioni geofisiche condotte nel 2011, AquilNost 82, 2011 (2013) 153–204.
  • S. Groh, Forschungen zur Urbanistik und spätantik-byzantinischen Fortifikation von Aquileia (Italien). Bericht über die geophysikalischen Prospektionen 2011, ÖJh 81, 2012 (2013) 67–96.

 

 

Kontakt

Stefan Groh

Florian Schimmer

Patrizia Donat