Projekte: Geografische Übersicht

Die Stadtmauern

Neue Erkenntnisse liefert das Forschungsvorhaben zu den Befestigungsanlagen von Aquileia. Die Colonia wird in republikanischer Zeit durch eine Stadtmauer mit quadratischen Ecktürmen befestigt. Die architektonische Ausgestaltung und chronologische Entwicklung der Befestigungen sind noch immer in Diskussion. Die republikanische Mauer dürfte bis in die Kaiserzeit Bestand gehabt haben und im Zuge der Markomannenkriege renoviert worden sein. Der monumentale Ausbau der spätantiken Fortifikation im 4. Jh. n. Chr. schlägt sich in den Schriftquellen nieder, so bezeichnet Ausonius Aquileia als die Stadt, die berühmt sei für ihren Hafen und ihre Mauern, moenibus et portu celeberrima (Auson. urb. 64–72). Die Anlage und Ausgestaltung dieses spätantiken Mauerrings kann durch die neuen Forschungen im nordwestlichen Stadtgebiet illustriert werden. Im Bereich des Stadions bezeugen die geophysikalischen Messdaten, dass die Stadtmauer auf einem Abschnitt von 327 m Länge mit insgesamt 11 Türmen im Abstand von durchschnittlich 30 m befestigt worden ist. Die spätantike Stadtmauer von Aquileia wies alternierend U-förmige und halbrunde Türmen auf, die in dieser Form in Befestigungsanlagen in den Donauprovinzen und im Osten des Reiches ab dem letzten Drittel des 3. Jhs. n. Chr. präsent sind. Sie ist wohl als Baumaßnahme tetrarchischer Zeit zu verstehen.

 

In der Folge verstärkte man die Fortifikation mit Pentagonaltürmen. Pentagonale Türme finden Einzug in das Repertoire frühbyzantinischer/iustinianischer Fortifikationsarchitektur des 5. Jhs. n. Chr. und sind vor allem im 6. Jh. n. Chr. frequent. Die Verstärkung der Mauer M2 mit pentagonalen Türmen ist daher frühestens ab der ersten Hälfte des 5. Jhs. bis spätestens an den Beginn des 6. Jhs. n. Chr. zu setzen. Die Befestigungsanlage bietet in dieser Ausgestaltung das typische Bild einer byzantinischen Wehrmauer mit eng gesetzten Reihen von Türmen unterschiedlicher Grundrisse.

 

Als jüngste Baumaßnahme ist, im Zuge der Reduzierung des Stadtgebiets, die Errichtung einer mächtigen Zickzackmauer zu sehen. Diese ist deutlich massiver als vergleichbare Konstruktionen byzantinischer Fortifikationsarchitektur, sie wird aus relativchronologischen und typologischen Überlegungen zumindest in das 6. Jh. n. Chr. zu datieren sein. Die Struktur der spätantiken und byzantinischen Stadtmauern von Aquileia lässt Einflüsse der Fortifikationsarchitektur aus den Donauprovinzen und aus Byzanz erkennen. Während von der späten Kaiserzeit bis in die beginnende Spätantike noch Turmtypen zur Anwendung kommen, die in den Nordostprovinzen typisch sind, ist ab dem späten 5. Jh. n. Chr. ein starker südöstlicher Einfluss festzustellen. Die mächtige Zickzackmauer mit dreieckigen Bastionen des 6. Jhs. n. Chr. ist, nach derzeitigem Wissensstand, die monumentalste Anlage dieses Typs in der byzantinischen Welt und unterstreicht damit die Bedeutung von Aquileia auch noch in seiner letzten Blütezeit.

 

 

Literatur

  • S. Groh, Ricerche sull’urbanistica e le fortificazioni tardoantiche e bizantine di Aquileia. Relazione sulle prospezioni geofisiche condotte nel 2011, AquilNost 82, 2011 (2013) 153–204.
  • S. Groh, Forschungen zur Urbanistik und spätantik-byzantinischen Fortifikation von Aquileia (Italien). Bericht über die geophysikalischen Prospektionen 2011, ÖJh 81, 2012 (2013) 67–96.

 

Kontakt

Stefan Groh