Projekte: Geografische Übersicht

Die Stationierung der Legio II Italica an der Bernsteinstraße und die Folgen

Die Funktion der Bernsteinstraße als via militaris bildet den Ausgangspunkt für ein überregionales Projekt zu der im Zuge der Markomannenkriege ausgehobenen Legio II Italica. Als Gegenreaktion auf die feindlichen Übergriffe auf italischem Boden 169 n. Chr. erfolgte die Rekrutierung einer neuen Legion (II Italica) und damit einhergehend die verwaltungstechnische Neuorganisation der Region an der Bernsteinstraße durch Marcus Aurelius, der hier einen Sonderstatus durch die Einrichtung der praetentura Italiae et Alpium schuf. Mit der Schaffung dieses Militärdistrikts (praetentura) wurde die Möglichkeit eingeräumt, in einer bis zu diesem Zeitpunkt prokuratorischen provincia inermis (Noricum) zügig – ereignisbedingt – die Legio II im Bereich von Ločica (Slowenien) an der Bernsteinstraße zu stationieren. Hierbei handelte es sich um eine temporäre Lösung im Rahmen der expeditio Germanica, zu deren Beginn die neue Legion am Ausbau der Stadtmauer von Salona-Solin in Dalmatien beteiligt war.

 

Der Zeitpunkt der Dislokation dieser Legion nach den Markomannenkriegen an den Donaulimes und die chronologische Abfolge der beiden in geringem Abstand von 5 km errichteten Lager von Enns/Lauriacum und Albing wird diskutiert. Während der Grundriss des Lagers von Enns durch ältere Grabungen in seinen Grundzügen bekannt ist, kann der Forschungsstand zu den Innenbauten der beiden anderen Legionslager als schlecht bezeichnet werden. Die beiden Lager von Ločica und Albing weisen keine vollständige Innenverbauung auf, was auf eine Nutzung innerhalb eines kurzen Zeitraums und die fehlende Notwendigkeit einer Fertigstellung deutet. Aus dem Grad der Verbauung und den bautypologischen Aspekten können weitgehende Schlüsse auf die Militärgeschichte des 2. Jhs. n. Chr. im mittleren Donau- und Ostalpenraum gezogen werden.

 

Die drei Lager der Legio II Italica wurden bis 2013 mit geophysikalischen Messungen (Georadar und Magnetik) flächig untersucht. 2014 wurde vom Legionslager in Enns unter Einbeziehung aller Pläne von Altgrabungen aus den Archiven des ÖAI und neueren Untersuchungen des Bundesdenkmalamtes ein aktualisierter Gesamtplan generiert. Ein Ziel der Forschungen ist es, die neu gewonnenen Informationen zur Bebauungsintensität im Inneren der Legionslager von Ločica und Albing zu bewerten und den Bezug der Lager zu ihrer direkten Umgebung darzustellen. Diese Ergebnisse werden in weiterer Folge mit jenen des Legionslagers in Enns/Lauriacum verglichen. Anhand einer detaillierten Analyse der Baustrukturen und Diskussion der chronologischen Abfolge aller drei Legionslager soll die Geschichte der Legio II Italica neuerlich beleuchtet werden.

 

 

Kontakt

Stefan Groh