Projekte: Geografische Übersicht

Die Militärlager und der Vicus von Strebersdorf-Frankenau (Burgenland)

Der über 40 ha große archäologische Fundplatz auf dem Gemeindegebiet von Strebersdorf/Lutzmannburg und Frankenau-Frakanava (Burgenland) befindet sich direkt an der Bernsteinstraße, auf halber Strecke zwischen zwei römischen Städten unterschiedlichen Rechtsstatus, nämlich der Colonia Savaria (Szombathely/Steinamanger) im Süden und dem Munizipium Scarbantia (Sopron/Ödenburg) im Norden. Diese besondere strategische Lage, offenkundig an territorialen Verwaltungsgrenzen, sowie die natürlichen Ressourcen ausgedehnter Raseneisenerzvorkommen waren ausschlaggebend für die Errichtung mehrerer Militärlager, eines rund 10 ha großen Vicus sowie von Werkplätzen für Eisenverarbeitung.

 

Die archäologischen Untersuchungen erfolgen mittels geophysikalischer Messungen, gezielter kleinflächiger Grabungen und Oberflächensurveys in Kooperation mit dem Landesmuseum Burgenland und dem Institut für Archäologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (Nitra) (K. Elschek). Die geophysikalischen Prospektionen erstreckten sich 2007–2012 auf einer Fläche von 70 ha. Sensationell ist die Entdeckung von drei Holz-Erde-Lagern mit Innenbauten sowie eines temporären Lagers an der Bernsteinstraße im Hinterland der Provinz Pannonien, 83 km (55 römische Meilen) südlich der Militärzone am Donaulimes.

 

Erste Grabungen und Analysen der Münzverteilung erbrachten eine Datierung des ältesten Lagers in spätaugusteisch-tiberische Zeit. Funde indizieren die Präsenz einer Kavallerieeinheit, wahrscheinlich der Ala Pannoniorum. Im Umfeld der Lager sind zahlreiche Ofenbatterien zur industriellen Verarbeitung lokalen Raseneisenerzes erkennbar. Der Fundplatz nimmt somit eine hervorragende Stellung für die Neuinterpretation der systematischen augusteisch/tiberischen Provinzerschließung mittels militärischer Stützpunkte und der wirtschaftlichen Faktoren dieser Militärzüge ein. Die Bauabfolge der Militärlager ist von besonderer Bedeutung für Fragen der Okkupation von Noricum und Pannonien im 1. Jh. n. Chr.

 

Westlich und südlich der Militärlager erstreckt sich ab der zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. ein ausgedehnter, rund 10 ha großer Vicus. Die Messdaten bezeugen eine streifenförmige Parzellierung entlang der Bernsteinstraße. Einzelne Streifenhäuser sind über 50 m lang, im zentralen Bereich der Siedlung war eine natürliche Trennung durch einen Bachverlauf gegeben. Hervorzuheben ist, dass die Militärlager und der Vicus in ihrer gesamten Ausdehnung erkennbar und von keinen neuzeitlichen Überbauungen betroffen sind. Dies stellt einen Sonderfall in der römischen Archäologie Österreichs dar, da die meisten Kastelle und Vici auf Plätzen liegen, die von der Antike bis in die Neuzeit genutzt werden oder dem fortschreitenden Bauboom zum Opfer fallen.

 

 

Literatur

  • S. Groh, Neue Forschungen an der Bernsteinstraße in Nordwestpannonien. Die römischen Militärlager von Strebersdorf und der Vicus von Strebersdorf-Frankenau/Frakanava (Mittelburgenland), AÖ 20/2, 2009, 59–64.
  • S. Groh, Neue Forschungen an der Bernsteinstraße in Nordwestpannonien – Die römischen Militärlager und der Vicus von Strebersdorf und Frankenau/Frakanava (Mittelburgenland, Österreich), in: Sz. Biró (Hrsg.), Ex officina … Studia in honorem Dénes Gabler (Győr 2009) 175–188.

 

Kontakt

Stefan Groh

Helga Sedlmayer