Anthropologie und Paläopathologie in Ephesos

Die Aufgabe der anthropologischen und paläopathologischen Untersuchungen besteht in der Erforschung menschlicher Skelettüberreste, die gezielt (bekannte Gräberfelder oder Nekropolen) oder zufällig (Einzel- oder Zufallsfunde, gestörte Gräber) bei den archäologischen Ausgrabungen entdeckt und geborgen werden. Seit 2009 laufen Untersuchungen von zwei großen Serien, der Skelette aus der römisch-kaiserzeitlichen Nekropole am Hafenkanal und der Skelette, die im Rahmen der Ausgrabungen am ›Byzantinischen Palast‹ entdeckt wurden. Weiterhin werden, je nach Bedarf, auch andere Serien untersucht. Die Auswertungen der Skelette der Nekropole am Hafenkanal sollen voraussichtlich bis zum Jahr 2012 fortgesetzt werden.

 

Zu den Methoden gehören außer der makroskopischen und lupenmikroskopischen Untersuchung vor Ort weitere Auswertungen im Labor. Dazu zählen sowohl radiologische (konventionelles Röntgen sowie Computertomographie) als auch mikroskopische (Licht- und Elektronenmikroskopie) Methoden sowie Analysen der Knochenproteine oder der DNA.

 

Durch die anthropologische Untersuchung der Skelette können Aussagen über das Alter, das Geschlecht und den allgemeinen Körperbau der bestatteten Individuen getroffen werden. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen der Gesellschaft, beispielsweise in Bezug auf die Kindersterblichkeit oder die Paläodemografie. Die Paläopathologie kann mithilfe von Methoden der Medizin krankhafte Zustände identifizieren, die sich am Skelett manifestieren. An den Knochen lassen sich unter Umständen zwischen 10–20% der Krankheiten erkennen, die einen Menschen betreffen können. Zu diesen gehören unter anderem entzündliche und tumoröse Prozesse, mangelernährungsbedingte Krankheiten (z. B. Anämie, Skorbut, Rachitis), krankhafte Veränderungen der Gelenke (Arthrose und Arthritis), Verletzungen oder verschiedene Missbildungen.

 

Die Ergebnisse der anthropologischen und paläopathologischen Untersuchungen geben Einblicke in die Lebensbedingungen vergangener Populationen und liefern wertvolle Informationen über die generellen Lebensumstände ihrer Zeit. Neben den weiteren Forschungszweigen stellen sie einen der Mosaiksteine zur Erforschung der Geschichte von Ephesos dar.

 

 

Finanzierung

ÖAI

 

 

Kooperationen

Zentrum Anatomie, Universitätsmedizin Göttingen

 

 

Literatur

  • J. Nováček – K. Scheelen, Anthropological and paleopathological investigation of Roman Age skeletons from Ephesus, Turkey. Program and Abstracts. 18th European Meeting of the Paleopathology association. Naturhistorisches Museum Wien, 23.–26. August 2010 (Wien 2010) 183.

 

 

Kontakt

Michael Schultz

Jan Nováček