Byzantinische Kleinfunde und ihre Werkstätten in Ephesos

Die Forschungen zu den byzantinischen Kleinfunden aus Bunt- und Edelmetall sowie Bein und ihren Werkstätten in Ephesos konzentrieren sich zum einen auf Funde aus den laufenden Grabungen im sog. Byzantinischen Palast und in den spätantik-frühbyzantinischen Wohnhäusern im Bereich des kaiserzeitlichen Hafengymnasiums, zum anderen aber auch auf Altfunde (etwa aus dem Hanghaus 2: Tabernen und frühbyzantinischer Hortfund; Werkstätten sowie von bisher noch nicht aufgearbeiteten ephesischen Fundorten). Ziel ist eine gesamtheitliche, kontextorientierte Endauswertung sämtlicher byzantinischer Kleinfunde unter Einbeziehung des bereits publizierten Fundmaterials, etwa jenem aus der Marienkirche oder dem sog. Lukasgrab. Ebenfalls berücksichtigt werden Objekte aus Ephesos in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien und im Efes Müzesi Selçuk, wo sich rund 470 inventarisierte Funde byzantinischer Zeitstellung befinden. Diese stammen zum Teil aus österreichischen und türkischen Grabungen in Ephesos, hier vor allem aus der Johannesbasilika, sowie aus der Region Selçuk. Bei diesen handelt es sich großteils um Streufunde, deren genauere Provenienz unbekannt ist. Durch die Kooperation mit dem Efes Müzesi Selçuk wird es nunmehr möglich sein, eine Gesamtdarstellung des Materials einer gesamten Region zu erschließen.

 

Das ephesische Material setzt sich aus Schmuck, Trachtgegenständen sowie Objekten des täglichen Gebrauchs zusammen und umfasst einen zeitlichen Rahmen von der früh- bis in die spätbyzantinische Zeit. Die Tracht- und Schmuckobjekte gliedern sich in Anhänger, Armringe, Ohrringe, Fingerringe, Nadeln und Fibeln sowie Teile von Gürtelgarnituren. Erwähnenswert ist auch die relativ große Fundgruppe von ca. 80 aus Bronze und Silber gefertigten Kreuzen, die als Anhänger-, Reliquien- oder Vortragekreuze dienten. Zusätzlich zu den Schmuck- und Trachtgegenständen finden sich noch kosmetische und medizinische Geräte wie beispielsweise Ohrlöffel, Waffen in Form von Pfeilspitzen und Objekte des täglichen Gebrauchs bzw. des Hausrats. Dazu gehören vor allem Gefäße und Kannen, Gliederketten zur Aufhängung von Lampen, Gewichte, Glocken, Löffel, Möbel- und Türbeschläge, Nägel und Schlösser sowie Waagen.

 

Die Untersuchungen der byzantinischen Kleinfunde werden sowohl von archäologischer als auch von technologischer Seite erfolgen. Hervorgehoben sei, dass es sich nicht um monumentbezogene Untersuchungen, sondern um weit gefasste interdisziplinäre Studien (technologische Untersuchungen sowie Analyse der Werkstattfunde aus Buntmetall: VIAS; Metallanalysen: Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst an der Akademie der bildenden Künste; Ikonografie und Inschriften auf den Kreuzen: Institut für Kulturgeschichte der Antike im Rahmen einer kulturgeschichtlichen Gesamtschau handelt. So sollen die Forschungen nicht nur zur Klärung der Fragen nach lokalen Werkstätten beitragen, sondern darüber hinaus auch neue Erkenntnisse zu handels-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten erbringen.

 

 

Projektdauer

März 2011 – Februar 2014

 

Finanzierung

FWF, Projektnummer P 22941-G19

 

 

Kooperationen

 

 

Literatur

  • A. M. Pülz – F. Kat, Die byzantinischen Kleinfunde aus Ephesos. Ein Überblick über das Material, in: F. Daim – J. Drauschke (Hrsg.), Byzanz – das Römerreich im Mittelalter, Monographien des RGZM 84, 2, 2 (Mainz 2010) 697–712.

 

 

Kontakt

Andrea M. Pülz