Der byzantinische Mühlen- und Werkstattkomplex im Hanghaus 2 von Ephesos

Eine Kooperation zwischen dem ÖAI und dem Institut für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz ermöglicht, einen der bedeutendsten Mühlen- und Werkstattkomplexe des frühen Mittelalters zu untersuchen. Das auf drei Jahre konzipierte Projekt wird maßgeblich von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.

 

Archäologie

In dem spätestens seit dem dritten Viertel des 3. Jhs. n. Chr. in Schutt und Asche liegenden Hanghaus 2 von Ephesos – ein Erdbeben hatte den ehemals prächtig ausgestatteten zentral gelegenen Wohnkomplex zerstört – wurden im 6./7. Jh. n. Chr. mehrere Mühlen und Werkstätten eingebaut. Sie sind durch ein Gerinne, welches das Gefälle des Bülbüldağ ausnutzt, miteinander verbunden. Insgesamt acht Wasserräder versorgten ebenso viele Produktionseinheiten mit Energie. Die bereits abgeschlossenen und vorgelegten Forschungen zu der wassergetriebenen Steinsäge in Raum WT 2 lassen erwarten, dass auch die anderen hydromechanischen Betriebe auf dem neuesten Stand der damaligen Technik waren. Es ist eindeutig, dass die zahlreich vorhandenen, großen Mühlsteine, sog. Kraftmühlen, mit der zur Verfügung stehenden Wasserkraft über vertikale Wasserräder und ein Getriebe angetrieben wurden.

 

Im Zentrum der interdisziplinär ausgerichteten Forschungen stehen technikgeschichtliche sowie umwelt- und wirtschaftshistorische Fragen:

  • Wie waren die einzelnen Wasserräder mit den zugehörigen Maschinen konstruiert?
  • Welche Leistung erbrachten sie?
  • Können technische Veränderungen nachvollzogen werden?
  • Wie lange waren die Mühlen und Werkstätten in Betrieb?
  • Welche relativchronologischen Aussagen erlaubt der Baubefund?
  • Welche Mühlsteintypen wurden verwendet?
  • Wo wurden die Mühlsteine hergestellt?
  • Wie viele Menschen konnten mit der frühindustriellen Maschine mit Mehl versorgt werden?

 

Vermessung

Am i3mainz werden die geometrische Dokumentation sowie die Arbeiten zur Präsentation der erfassten und generierten Daten in entsprechenden analogen und digitalen Medien durchgeführt. Bei der Aufnahme spielten neben der berührungslosen Vermessungsmethode Faktoren wie Höheninformationen, Farbwerte und Informationsgehalt der Daten eine wichtige Rolle. All dies sprach für den Einsatz eines terrestrischen 3-D-Laserscanners in Kombination mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Damit wird eine kolorierte 3-D-Punktwolke des gesamten Mühlenkomplexes als räumliche Datengrundlage für Interpretationen, Rekonstruktionen und Visualisierungen erstellt.

 

Kontakt

Anja Cramer,  i3mainz

 

Geologie

Die Mühlsteine bestehen aus Ignimbriten, verfestigten pyroklastischen Strömen (›Schmelztuff‹). Sie sind zusammengesetzt aus einer Grundmasse aus Asche unterschiedlicher Färbung mit durch hydrothermale Alteration tonig verwitterten Bims-Lapilli und Feldspäten sowie verschiedenen Xenolithfragmenten.

 

Zur Herkunftsanalyse wurden 20 repräsentativen Mühlsteinen Bohrkerne entnommen. Bei der petrografischen Untersuchung sind neben Gesteins- und Kristalleinschlüssen Merkmale wie Devitrifikation, hydrothermale Alteration, Alteration zu Tonmineralen und Zeolithen wichtig.

 

Zur Herkunftsbestimmung wird die Geochemie der mafischen Fremdgesteinseinschlüsse, der Phäno- und Xenokristalle mittels Elektronenstrahl-Mikrosonde und Laser-ICP-MS bestimmt und mit Literaturdaten mafischer Laven der Region der Westtürkei und Ägäis verglichen. Bei positivem Befund sind Geländebegehungen erforderlich, um zum einen Vergleichsmaterial heranziehen und die Ergebnisse verifizieren zu können und zum anderen unter Umständen die Steinbrüche zu lokalisieren.

 

Kontakt

Tatjana M. Gluhak, Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

Geologie: Sinter-Analysen

Der Großteil der Gerinne zeigt Ablagerungen von Kalksinter. An unterschiedlichen Stellen wurden vier Proben entnommen, die über unterschiedliche Analyseverfahren Informationen über den Gebrauch der Wasserleitungen, das Paläoklima und Erdbeben liefern sollen. Die Sinterchemie und die Mikrostruktur werden mithilfe von μ-RFA, REM, EBSD und Röntgentomographie untersucht. Die Sinterproben aus Ephesos haben insgesamt eine hohe Porosität und sind daher schwierig zu interpretieren. Zurzeit liegt der Fokus auf der Chemie der Proben, um so möglicherweise die Hanghaus-Sinter dem Değirmendere-Aquädukt oder doch dem Pollio-Aquädukt zuzuweisen. Zudem wird versucht, die minimale Gebrauchsdauer der Wasserleitungen festzulegen.

 

Kontakt

Cees W. Passchier, Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

 

Projektdauer

2010–2012

 

 

Finanzierung

 

 

Kontakt

Stefanie Wefers

Römisch-Germanisches Zentralmuseum

Ernst-Ludwig-Platz 2

D-55116 Mainz