Epigrafik in Ephesos

Steininschriften

Bei den Ausgrabungen von Ephesos wurden bisher ca. 6.000 Inschriften gefunden; Ephesos zählt damit zu den inschriftenreichsten Fundplätzen der Antike. Eine vorläufige Sammlung der Inschriften ist in den Bänden 11–17 der Reihe »Inschriften griechischer Städte Kleinasiens« enthalten und in den »Jahresheften des Österreichischen Archäologischen Institutes« (ÖJh) sowie in den Bänden der »Forschungen in Ephesos« werden laufend Neufunde ediert. Die Inschriftensteine selbst sind teils im Grabungsgelände aufgestellt, teils in den Gewölben des Domitianstempels untergebracht; einige wurden auch in das Efes Müzesi Selçuk transportiert. Abklatsche der meisten Inschriften werden in Wien verwahrt.

 

Graffiti aus den Hanghäusern von Ephesos

Die Wände der luxuriös ausgestatteten Wohnungen in den Hanghäusern von Ephesos waren zum großen Teil von Fresken bedeckt, auf welchen sich mehr als 600 Graffiti (Ritzinschriften und -zeichnungen) erhalten haben. Ihr Inhalt reicht von einfachen Schreibübungen bis zu Epigrammen, die reiche Wohltäter preisen, von bloßen Eigennamen zu Quittungen von Handwerkern, von Gedenkinschriften für Freunde bis zu erotischen Buchstabenrätseln. Die Publikation dieser Inschriften erfolgt im Rahmen der jeweiligen Wohneinheiten.

 

Im Zuge der Restaurierung des ›Marmorsaales‹ in der Wohneinheit 6 des Hanghauses 2 kamen auf der Rückseite einiger Fragmente der Marmorwandverkleidung einige Inschriften zutage. Sie erlauben einerseits interessante Einblicke in die Technik der Bearbeitung und Versetzung, andererseits ermöglichen sie eine genaue zeitliche Einordnung: Eine aus den kaiserlichen Steinbrüchen stammende Datierung auf das dritte Konsulatsjahr Hadrians (119 n. Chr.) zeigt, dass die Raumgestaltung in die frühen Regierungsjahre dieses Kaisers zu setzen ist.

 

 

Literatur (Auswahl)

  • D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos I, ÖJh 48, 1966/1967, 1–22.
  • D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos II–III, ÖJh 49, 1968–1971, Beibl. 2–88.
  • D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos V–VII, ÖJh 50, 1972–1975, Beibl. 1–79. Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien 11, 1–17, 4 (Bonn 1979–1984).
  • B. İplikçioğlu – D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos VIII, ÖJh 53, 1981/1982, 87–150.
  • B. İplikçioğlu – D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos IX, ÖJh 55, 1984, 107–136.
  • D. Knibbe – H. Engelmann, Neue Inschriften aus Ephesos X, ÖJh 55, 1984, 137–149.
  • B. İplikçioğlu – H. Engelmann – D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos XI, ÖJh 59, 1989, Beibl. 162–238.
  • B. İplikçioğlu – H. Engelmann – D. Knibbe, Neue Inschriften aus Ephesos XII, ÖJh 62, 1993, 113–150.
  • H. Taeuber, Graffiti als Hilfsmittel zur Datierung der Wandmalereien in Hanghaus 2, in: P. Scherrer – H. Taeuber – H. Thür (Hrsg.), Steine und Wege. Festschrift Dieter Knibbe, SoSchrÖAI 32 (Wien 1999) 153–161.
  • H. Engelmann, Neue Inschriften aus Ephesos XIII, ÖJh 69, 2000, 77–93.
  • H. Taeuber, Die Inschriften, in: M. Steskal u. a., Die Damianosstoa in Ephesos. Bericht über die Ausgrabung 2002 im Abschnitt Kathodos III, ÖJh 72, 2003, 263–269.
  • H. Taeuber, Graffiti und Dipinti, in: H. Thür (Hrsg.), Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheit 4. Baubefund, Ausstattung, Funde, FiE 8, 6 (Wien 2005) 132–143.
  • H. Taeuber, C. Vibius Salutaris – Wohnungsbesitzer im Hanghaus 2?, in: B. Brandt – V. Gassner – S. Ladstätter (Hrsg.), Synergia. Festschrift Friedrich Krinzinger I (Wien 2005) 349–353.
  • H. Taeuber, Graffiti auf Keramik klassischer Zeit aus den Grabungen in der Tetragonos Agora, in: P. Scherrer – E. Trinkl, Die Tetragonos Agora in Ephesos. Grabungsergebnisse von archaischer bis in byzantinische Zeit – ein Überblick. Befunde und Funde klassischer Zeit, FiE 13, 2 (Wien 2006) 251–252.
  • H. Taeuber, Das ›Parthermonument‹ – historische Grundlagen, in: W. Seipel (Hrsg.), Das Parthermonument von Ephesos. Akten des Kolloquiums Wien, 27.–28. April 2003 (Wien 2006) 24–31.
  • H. Taeuber, Inschriften aus dem Vediusgymnasium. Die Neufunde, in: M. Steskal – M. La Torre (Hrsg.), Das Vediusgymnasium von Ephesos. Archäologie und Baubefund, FiE 14, 1 (Wien 2008) 243–252 Taf. 359–368.
  • D. Boulasikis – H. Taeuber, Die Diakonie in der Insula M01 von Ephesos, MiChA 14, 2008, 53–70.
  • P. Sänger, Neue Inschriften aus dem Domitiansdepot in Ephesos, ÖJh 78, 2009, 313–319.
  • H. Taeuber, Graffiti, in: F. Krinzinger (Hrsg.), Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheiten 1 und 2, FiE 8, 8 (Wien 2010) 122–125. 472–478 Taf. 37–39. 184–191.
  • H. Taeuber, Inschriften, in: A. Pülz (Hrsg.), Das sog. Lukasgrab in Ephesos. Eine Fallstudie zur Adaption antiker Monumente in byzantinischer Zeit, FiE 4, 4 (Wien 2010) 345–352 Taf. 196–206.

 

 

Kontakt

Hans Taeuber

Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde

Papyrologie und Epigraphik

Dr. Karl Lueger-Ring 1

A-1010 Wien.