Projekte: Geografische Übersicht

Forschungen in Gremoulias/Kalavrita

Die Antikenstätte Gremoulias/Kalavrita bezeichnet einen Geländesattel auf ca. 1.400 m Seehöhe, etwa 4 km im Südosten von Kalavrita und 6 km im Norden des antiken Lousoi gelegen. Gremoulias ist der antiken Region Nordwestarkadien auf der Peloponnes zuzuordnen.

 

Mit vorbereitenden Geländestudien im Jahre 2003 und mit jährlichen Grabungen ab 2005 wird an diesem Ort im Rahmen eines Kooperationsprojekts der 6. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer des Griechischen Antikendienstes mit der Zweigstelle Athen des ÖAI ein bis zu diesen Forschungen unbekanntes Heiligtum archäologisch untersucht. In einer bemerkenswert exponierten Lage, welche aus einer antiken Wegführung resultiert, die die antike Stadt Kynaitha (modern: Kalavrita) über das Chelmos-Gebirge mit der Küstenregion von Achaia verband, befindet sich ein extraurbanes Heiligtum mit folgender bislang bekannter architektonischer Ausstattung:

 

Aus dem nahezu vollständig in situ liegenden Unterbau und zahlreichen, zum Teil in Sturzlage vorgefundenen Baugliedern ist ein spätklassischer dorischer Ringhallentempel aus Poros mit einem Grundriss von 14 × 35 m zu erschließen. Eine Ringhalle mit 6 zu 14 Säulen schließt eine auffallend schmale Cella mit einer lichten Weite von nur 5 m und ohne Binnengliederung ein. Die mit großer Sorgfalt gearbeiteten Werkstücke der dorischen Ordnung – die erhaltenen Architrave und Triglyphen verfügen über ein System von Bauritzlinien – weisen auf eine erfahrene Bauhütte, welche den für diese Region ersten bekannten kanonischen Ringhallentempel entwarf und errichtete.

 

Axialsymmetrisch, ca. 10 m im Osten des Tempels, befindet sich ein zu gleicher Zeit errichteter rechteckiger Altar, von dem sich das Fundament (4 × 7 m) und gestürzte Steine des aufgehenden Mauerwerks erhalten haben. Bei diesen Steinen handelt es sich unter anderem um dorische Säulenschäfte und Kapitelle aus kristallinem Kalkstein, welche eine ältere, spätarchaische dorische Ordnung erschließen lassen. Zieht man in Betracht, dass der Grundriss des spätklassischen Porostempels in seinen langgestreckten Proportionen und in der schmalen, ungegliederten Cella deutliche spätarchaische Merkmale wiedergibt, so ist mit großer Sicherheit ein Vorgängerbau aus dem ausgehenden 6. Jh. v. Chr. aus Kalkstein zu erschließen. Bauglieder dieses älteren dorischen Ringhallentempels fanden als ehrwürdige Spolien im jüngeren Altar des frühen 4. Jhs. v. Chr. erneut Verwendung. Auch das qualitätvolle Marmordach wurde am jüngeren Tempel wiederverwendet.

 

Votivfunde, die konzentriert im Bereich des Altars im Kontext dunkel verbrannter Erde und in einer festigenden Packung im Bereich der Cella geborgen wurden – so auffallend viele Lanzenspitzen aus Bronze und Eisen – lassen auf einen Kult schließen, der bereits in spätgeometrischer Zeit gegründet worden war, in seiner Dedikation derzeit allerdings noch nicht identifiziert ist; möglicherweise ist von einem Artemiskult zu sprechen.

 

Bemerkenswert bleibt, dass dieses Heiligtum mit der monumentalen Ausstattung zweier aufeinander folgenden Ringhallentempel in keiner antiken Quelle erwähnt wird, einzig die ersten Ausgräber des benachbarten Lousoi, A. Wilhelm und W. Reichel, verweisen in ihrem Bericht zu den Grabungen im Artemisheiligtum auf antike Reste im Bereich des Gremoulias-Sattels.

 

 

Finanzierung

ÖAI

6. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer (Patras)

 

 

Kontakt

Georg Ladstätter

Giorgia Alexopoulou, 6. EPKA, Al. Ypsilantou 197, GR-26110 Patras