Marmorsaal des Hanghauses 2

Ein von Borusan-Holding finanziertes Restaurierungsprojekt hat die Wiederapplikation der Wandverkleidung im Marmorsaal der Wohneinheit 6 im Hanghaus 2 zum Ziel. Bei dem Marmorsaal handelt sich um einen 178 m² großen Speisesaal, dessen Wände in drei Zonen mit Marmordekoration verkleidet waren. Die Sockelzone bildeten aus einem Block geschnittene und spiegelbildlich aneinander gereihte Platten aus Cipollino verde, darüber lag eine durch Pilaster gegliederte Zone, deren Pavonazetto-Platten gerahmt waren. Den oberen Abschluss bildete eine Emblemata-Zone mit Schmuckfeldern aus akkurat geschnittenem Opus sectile unter Verwendung unterschiedlichster Buntmarmore. Hervorzuheben sind insbesondere zwei Felder mit figürlichen Darstellungen eines Löwenskalps sowie einer aus einem Kantharos trinkenden Schlange, die sich um eine Keule windet. Der Raum bot auch abseits der Wandverkleidung ein eindrucksvolles Ambiente: Der Boden war mit Marmorplatten ausgelegt, ein U-förmiges Mosaikband gab die Klinenaufstellung vor, ein Brunnen in der Südwand sowie ein axialsymmetrisch dazu angelegter Springbrunnen im vorderen Bereich des Raumes dienten dem angenehmen Raumklima; eine geschnitzte und vergoldete Holzdecke bildete den oberen Abschluss des prächtig ausgestatteten Saals. Von besonderem Interesse ist aber auch der archäologische Befund, lagen doch unmittelbar auf dem Boden in einer Zerstörungsschicht Wandverkleidungsplatten, die für eine Wiederverlegung vorbereitet waren. Andere Platten standen gestapelt entlang der Wände; auch sie sollten wohl erneut appliziert werden. Die Feinpolitur sowie Korrosionsabdrücke von Dübeln auf den Platten und Dübelreste an den Wänden selbst sind eindeutige Indizien dafür, dass es sich um Reparaturmaßnahmen und nicht um eine Neuausstattung des Raumes handelte. Dafür sprechen auch die stilistische Einordnung der Dekoration sowie Inschriften auf den Rückseiten von Pavonazetto-Verkleidungsplatten, die durch die Nennung des 3. Konsulats des Kaisers Hadrianus in das Jahr 119 n. Chr. bzw. des Konsulats des Cnaeus Arrius Augur in das Jahr 121 n. Chr. datiert werden dürfen und einen sicheren Terminus post quem für die Erstverlegung der Marmordekoration darstellen. Ein in roter Farbe aufgemaltes Dipinto nennt zudem den Auftraggeber, Caius Flavius Furius Aptus. Bei ihm handelt es sich um den inschriftlich mehrfach bezeugten Hausherren der Wohneinheit 6.

 

Es besteht nun kein Zweifel, dass die Erstausstattung des Marmorsaals in hadrianische Zeit datiert. Auf massive Zerstörungen in der ersten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. folgten unmittelbar Renovierungsarbeiten, die eine Instandsetzung der prachtvollen Marmorverkleidung zum Ziel hatten. Zu einer nochmaligen Applikation der Platten kam es allerdings nicht mehr; der Grund hierfür liegt in der seismischen Katastrophe im dritten Viertel des 3. Jhs., als das Hanghaus 2 zerstört und danach nicht wiedererrichtet wurde.

 

Die Restaurierungsarbeiten umfassen einerseits eine Sichtung und Kategorisierung des gesamten Fundmaterials, wobei etwa 120.000 Fragmente der Ausstattung des Marmorsaals zugeordnet werden konnten. In weiterer Folge wurden die Platten der Sockelzone geklebt, mit Gips ergänzt und mittels eines reversiblen und beweglichen Schienensystems an den Wänden montiert. Aktuell wird an der Klebung der Mittelzone gearbeitet, deren Wiederapplikation an die Wände durch Dübelvergleiche wissenschaftlich belegt sowie statisch und konstruktiv überprüft wird. Die Restaurierungsarbeiten erlauben nicht zuletzt wesentliche Aussagen zur Versatztechnik der Marmorverkleidung, die im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation diskutiert werden sollen.

 

Ziel des Projekts ist keine vollständige Rekonstruktion der Wandverkleidung, die aufgrund der Zersplitterung der Opus sectile-Felder gar nicht möglich ist, sondern eine fundierte, reversible Teilapplikation, basierend auf einer detaillierten Befundbeobachtung.

 

 

Finanzierung

Borusan-Holding

 

 

Kontakt

Sabine Ladstätter

Sinan İlhan