Projekte: Geografische Übersicht

Forschungen in Hisn el-Bab

Diese sehr gut erhaltene Stein- und Lehmziegelfestung liegt zwischen dem High und Low Damm in Assuan in Oberägypten, in der Nähe des aufgelassenen Dorfs el Bab, am Ostufer des Nils am südlichen Ende des 1. Katarakts. In modernen Zeiten wurde ihre Existenz im Rahmen des ersten nubischen archäologischen Surveys erwähnt, aber als ›arabisch‹ klassifiziert. Etwas mehr Aufmerksamkeit wurde der Festung während des archäologischen Surveys von 1928–1934 entgegengebracht. Monneret de Villard erwähnt ihre Existenz in seinem Survey der mittelalterlichen Monumente und schlug vor, Hisn el-Bab mit einer durch mittelalterliche arabische Historiker bekannten Festung, el-Qasr, zu identifizieren. El-Qasr wurde gemeinhin als am Ostufer südlich von Philae und vier oder fünf Meilen südlich von Assuan liegend und den Anfang des nubischen Territoriums markierend beschrieben. Diese Beschreibung passt exakt auf Hisn el-Bab, sodass die Identifizierung mit el-Qasr wahrscheinlich korrekt ist.

 

Arabische Historiker überliefern, dass el-Qasr der Übergabeort der Güter war, deren Austausch durch den »baqt« beschlossen worden war. Dieses Übereinkommen zwischen Ägypten und Nubien wurde kurz nach der arabischen Eroberung Ägyptens 651/652 n. Chr. getroffen, mit dem Ziel, die friedlichen Beziehungen zwischen den beiden Mächten aufrechtzuerhalten, vorausgesetzt die Nubier lieferten diverse Güter. Der »baqt« blieb, wenn auch nicht regelmäßig angewendet, für mindestens 600 Jahre gültig.

 

Trotz des Status von el-Qasr als erster Punkt im nubischen Territorium war in der Festung zeitweise eine fatimidische Garnison angesiedelt. Diese könnte als Basisstation des offiziellen fatimidischen Vertreters, der für die Grenzkontrolle zuständig war, gedient haben.

 

Die Moscheen unmittelbar südlich der Festung werden von manchen Autoren als unter ägyptischer Kontrolle stehend erwähnt, hingegen soll die Kirche, die von einer dieser Moscheen überbaut worden war, nubisch kontrolliert worden sein. Diese komplizierte Situation könnte auf eine Art ›Niemandsland‹ zwischen Ägypten und Nubien deuten. Hinweise auf al-Qasr in den Schriftquellen verschwinden mit dem Ende der Fatimidenzeit.

 

Bis vor kurzem wurde angenommen, dass die Festung von Hisn el-Bab/el-Qasr dem Bau des Assuan-Staudamms zum Opfer gefallen wäre. Tatsächlich hat der Großteil der Festung dank der Lage am Steilhang zwischen High und Low Damms die Flutung überstanden. Die Festung ist in gutem Zustand, und die Lehmziegel- und Steinmauern stehen in manchen Teilen bis zu 8 m hoch an.

 

Zwei Bauphasen konnten identifiziert werden. Die Identifizierung einer älteren, spätrömischen Festung des 6.–7. Jhs. n. Chr. war unerwartet. Die jüngere Festung, mit el-Qasr gleichzusetzen und bestens bekannt aus historischen Texten, war architektonisch gut erhalten, allerdings wurde kaum anderes Fundmaterial vorgefunden.

 

 

Finanzierung

FWF (Projektnummer: P24589-G21)

 

 

Kooperation

Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo

 

 

Kontakt

Pamela Rose