Walter Gauß - G. Klebinder-Gauß - C. von Rüden (eds), The Transmission of Technical Knowledge in the Production of Ancient Mediterranean Pottery, SoSchrÖAI 54 (Wien 2015).

Sabine Ladstätter, Die Türbe im Artemision. Ein frühosmanischer Grabbau in Ayasoluk/Selçuk und sein kulturhistorisches Umfeld, SoSchrÖAI 53 (Wien 2015).

Projekte: Geografische Übersicht

Die Marmore des Heiligtums von Kourion in Zypern

Teilanastylose des Tempels des Apollon Hylates in Kourion (G. Ambros 2016)
Teilanastylose des Tempels des Apollon Hylates in Kourion (G. Ambros 2016)

Das Heiligtum des Apollon Hylates in Kourion ist einer der wichtigsten Kultorte Apollons in Zypern. Die älteste Architektur geht bis in die archaische Zeit, d. h. in das 6. Jahrhundert v. Chr., zurück. Der römische Podiumstempel mit angesetzter Freitreppe wurde über dem hellenistischen Vorgängerbau errichtet. Bei ihm handelt es sich um einen tetrastylen Podiumstempel trajanischer Zeitstellung, dessen Säulen von nabatäischen Kapitellen bekrönt waren. Von dem Heiligtum sind ferner Hallen, Priester- und Gästehäuser, Versorgungseinheiten sowie Kultgegenstände und Weihegaben, darunter auch zahlreiche Inschriften, erhalten.

 

Die Insel Zypern hat selbst keine Marmorvorkommen, sodass demgemäß alle Artefakte aus Marmor Importe waren. Dieser Umstand macht Zypern zu einem Schlüsselort für das Verständnis des antiken Marmorhandels. Hierzu wurden in einem Pilotprojekt in Kooperation mit dem Department of Antiquities of Cyprus Proben datierter Inschriften aus dem Heiligtum in Kourion genommen, um die Herkunft des verwendeten Steinmaterials zu analysieren und auf diese Weise Informationen über das politische und wirtschaftliche Netzwerk der Insel zu erlangen. Die Zeitspanne der untersuchten Inschriften reicht vom frühen Hellenismus bis in das 3. Jahrhundert n. Chr.

 

Der größte Teil der untersuchten Inschriften befindet sich im Museum in Episkopi und wurde dort beprobt. Es wurden wenige Millimeter große Splitter von den Rückseiten oder Bruchstellen der Platten gebrochen. Mikroskopische Untersuchungen können nur an etwas größeren Proben erfolgen, die bei diesem Projekt leider nicht zur Verfügung standen. Die gewonnenen kleinen Proben reichten aber für chemische Analysen charakteristischer Spurenelemente sowie für isotopenchemische Untersuchungen der O- und C-Isotope aus. Im Isotopendiagramm sind vorläufig alle untersuchten Proben sowie die Felder der Zusammensetzung der wichtigsten antiken Marmore eingetragen.

 

Die Ausführung der Spurenelementanalysen ist derzeit noch nicht abgeschlossen, sodass noch keine endgültigen Ergebnisse präsentiert werden können. Nach einer ersten, visuellen Einschätzung scheinen bei den frühen Inschriftentafeln jedoch pentelische Marmore aus Attika vorzuherrschen, während später auch prokonnesische Marmore zu finden sind. Ein prominent auftretender Marmor ist ein gesprenkeltes Gestein des Typs Greco Scritto.

 

Die Analysen werden am Institut für Angewandte Geowissenschaften und Geophysik der Montanuniversität Leoben durchgeführt. Für die Unterstützung vor Ort wird den zypriotischen Behörden sehr herzlich gedankt, die restauratorische Begleitung der Beprobung erfolgte durch Xenia Papadopoulou.

 

 

Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Department of Antiquities, Cyprus

 

Kontakt:

Walter Prochaska (Montan Universität Leoben)