Konservierung von Funden

Die Grabungssiedlung in Ephesos/Selçuk beherbergt ein Restaurierungslabor, in dem die jährlich anfallenden Funde gereinigt, gefestigt und im Bedarfsfall auch restauriert werden. Die Materialpalette erstreckt sich von Stein, Keramik, Glas bis hin zu unterschiedlichen Metallen. Bedingt durch die vorherrschenden Bodenbedingungen werden organische Stoffe dagegen nur selten geborgen und konserviert.

 

Aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen – kalte, sehr feuchte Winter und heiße, trockene Sommer – und der hohen Bodenfeuchtigkeit stellt vor allem die Konservierung von Metallfunden eine besondere Herausforderung dar. Die beschriebenen schwierigen Bedingungen erfordern zudem eine sachgemäße Lagerung sowie eine permanente Wartung der Objekte.

 

Byzantinische Bronzewaage

Die Grabungskampagne 2011 brachte einen ganz besonderen Fund zutage: In den Ruinen des Domitianstempel im Zentrum von Ephesos wurde eine bronzene Waage gefunden. Der Erhaltungszustand der byzantinischen Waage ist außergewöhnlich gut, denn die Bronze ist nur oberflächlich korrodiert, sodass Details wie Skala, Beschriftung und Bearbeitungsspuren erhalten sind. Darüber hinaus ist sie nahezu vollständig: Ketten, Haken und Bleigewicht sind vorhanden. Ein hartes Konglomerat aus Kalk, Korrosion und Erde bedeckte die Oberfläche, die – um alle Details erkennen und die Inschriften entziffern zu können – mit Skalpell, Holzgeräten und Glasfaserpinseln bearbeitet wurde; Staub wurde mit einem in Aceton getränkten Wattestäbchen entfernt, und die feinen Details wurden unter dem Binokular freigelegt. Beim Entfernen der Auflagen in den Vertiefungen der punktierten Aufschrift kamen in den Löchern Reste einer schwarzen Inkrustation zum Vorschein, bei der es sich vermutlich um ein Gemisch aus Ruß oder Kohlestaub und einem Bindemittel handelt; die genaue Materialbestimmung steht noch aus. Wegen des guten Erhaltungszustandes und einer möglichen Verfälschung der Analyseergebnisse des Inkrustationsmaterials wurde auf eine antikorrosive Behandlung mit Benzotriazol verzichtet. Ein abschließender Acrylharzüberzug war aber nötig, um die Waage vor hoher Luftfeuchtigkeit und Handschweiß zu schützen.

 

Deckelgefäß

In den sog. Verulanushallen wurden in der Kampagne 2011 einige gut erhaltene Keramikgefäße ausgegraben. Besonders hervorzuheben ist ein Deckelgefäß, welches nahezu vollständig mit geschlossenem Deckel und Erdverfüllung gefunden wurde. Diese besondere Fundsituation erlaubt es, mithilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen und Probenentnahmen sowohl aus der Verfüllung als auch den Keramikscherben Rückschlüsse auf den früheren Inhalt und den Verwendungszweck des Gefäßes zu ziehen. Bevor also das Gefäß gereinigt und geklebt werden konnte, wurden einige Proben aus dem im Block geborgenen Objekt entnommen. Für die Klebung wurde schließlich nach einer Testreihe mit verschiedenen Klebstoffen ein alterungsbeständiger, reversibler Kleber gewählt, der den besonderen Bedingungen in Ephesos wie Hitze und Luftfeuchtigkeitsschwankungen standhält.

 

In enger Zusammenarbeit mit dem Efes Müzesi Selçuk werden auch Ausstellungsobjekte sowie der Museumsbestand kontrolliert und einer Wartung unterzogen.

 

 

Finanzierung

ÖAI

 

 

Kontakt

Sabine Ladstätter