Konservierung des Großen Theaters

Das Große Theater

Das Große Theater der hellenistisch-römischen Stadt Ephesos wurde – eine natürliche Felsformation ausnützend – in den Westhang des Panayırdağ gebaut. Der ursprünglich wesentlich kleinere hellenistische Bau wuchs durch Erweiterungen nach Westen hin zu einem der größten Theater der Antike an, mit einem Durchmesser von etwa 150 m und einem Fassungsvermögen von 21.000–25.000 Personen.

 

Das Theater war Aufführungsort künstlerischer Darbietungen und Austragungsstätte von Gladiatorenkämpfen, aber auch eine wichtige Station im Rahmen der Kultprozessionen für die ephesische Artemis. Nicht zuletzt diente es als Ort der Volksversammlung, der Ekklesia. In dieser Funktion findet das Theater von Ephesos Erwähnung in der Apostelgeschichte, die von einem Aufstand der ephesischen Silberschmiede gegen die Missionstätigkeit des hl. Paulus berichtet. Erst in byzantinischer Zeit verlor das Theater seine ursprüngliche Bedeutung, als Teile des Bühnengebäudes in eine Befestigungsanlage integriert und als Turm genützt wurden.

 

Ausgrabungsgeschichte

Auf eine erste, im Auftrag des British Museum durchgeführte Untersuchung unter der Leitung von John Turtle Wood (1866–1868) folgte in den Jahren 1898–1900 eine nahezu vollständige Freilegung des Theaters durch das Österreichische Archäologische Institut unter der Leitung von Rudolf Heberdey.

 

Seit 1997 läuft nun eine bauhistorische Untersuchung der Architektur des Bühnengebäudes sowie des Zuschauerraums, wobei die Feldforschungen 2010 abgeschlossen werden konnten. Ein Projekt zur Konsolidierung des Gebäudes wurde 2004 in Kooperation mit der Technischen Universität Wien ins Leben gerufen. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Großen Theaters von Ephesos liegt in den Händen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

2010 wurde ein Dreistufenplan zur Adaption und Wiedereröffnung des Gebäudes für kulturelle Veranstaltungen vom ÖAI entwickelt und mit dessen Umsetzung begonnen. Mit einem Abschluss der Restaurierungsarbeiten ist 2018 zu rechnen.

 

Generelle Methode

Seit seiner Erbauungszeit im Hellenismus bis zum heutigen Tag war das Theater zahlreichen Reparaturen und Konservierungsmaßnahmen ausgesetzt. Konservierung bedeutet im Idealfall ein Verhindern des Verfallsprozesses, erfordert allerdings eine permanente Wartung der Struktur. Am Theater von Ephesos kann bis in jüngste Vergangenheit beobachtet werden, dass Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen immer als Reaktion auf heftige Zerstörungen oder einschneidende Veränderungen folgten. Dazu sind starke Erdbebenschäden ebenso zu zählen wie etwa die Vergrößerung des Baus in der frühen römischen Kaiserzeit. In byzantinischer Zeit wurde die Funktion des Gebäudes nachhaltig verändert und mit der Aufgabe der Stadt auch das Theater seinem Verfall preisgegeben und verwertbares Baumaterial sukzessive verschleppt. Wiederentdeckung, Ausgrabung und parallel dazu vorgenommene Konservierungsmaßnahmen führten schlussendlich zu der heute sichtbaren Struktur.

 

Das Restaurierungskonzept sieht vor, die ursprüngliche Funktion des Gebäudes wiederzubeleben, allerdings unter schärfsten Kontrollbestimmungen. Berücksichtigt werden soll auch die Lesbarkeit der Bauphasen sowie bewährter Konservierungseingriffe der Vergangenheit. Um eine erfolgreiche Konservierung implementieren zu können, ist es erforderlich, ältere Eingriffe zu evaluieren, wobei besonderes Augenmerk auf deren technische Praktikabilität und Wirkung zu legen ist. Jeder gesetzte Schritt sollte erfolgreich in das ästhetische Gesamtbild integriert werden, immer berücksichtigend, dass die im Projekt gewählten Eingriffe die letzte Phase in der Baugeschichte des Monuments darstellen.

 

Planung

Das Konservierungsprogramm wurde in drei Phasen unterteilt. Ziel dieser Strategie ist es, in absehbarer Zeit ein Zwischenergebnis vorzulegen und so eine Benutzung des Theaters zu ermöglichen, ohne dafür die vollständige Konservierung des Gebäudes abwarten zu müssen. In Anbetracht der Tatsache, dass die komplette Instandsetzung des Theaters einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird, und unter der Voraussetzung einer permanenten Wartung und Pflege war ein Stufenplan notwendig, der eine Koexistenz von Nutzung und Konservierung erlaubt.

 

Das Projekt umfasst drei Hauptstufen, die in einen Zeitplan für Wiedereröffnung und Nutzung der jeweiligen Bereiche für kulturelle Veranstaltungen eingebettet sind.

 

Stufe 1: Konservierung und Wiedereröffnung der ima Cavea, media Cavea, des ersten Diazomas, der Orchestra sowie der Eingänge N1 und S1 für kulturelle Veranstaltungen mit einer maximalen Auslastung von 2.200 Besuchern

 

Ziel der ersten Stufe ist eine Öffnung von Bereichen des Theaters für kulturelle Veranstaltungen mit einem Minimum an Konservierungseingriffen, allerdings mit allen Sicherungsmaßnahmen sowohl für das Gebäude als auch das Publikum. Die Umsetzung von Stufe 1 ermöglicht die Implementierung der ursprünglichen Funktion des Theaters in kürzester Zeit, gestattet allerdings die Weiterführung der Konservierungsarbeiten in anderen Arealen.

 

Stufe 2: Konservierung und Wiedereröffnung des Bühnengebäudes als Backstage für Konzerte

 

Diese Stufe basiert auf den Forschungsergebnissen zum Bühnengebäude und schließt eine partielle Anastylosis sowie seine komplette Konservierung mit ein.

Die Veranstaltungen sollen auch nach Abschluss von Stufe 2 auf akustische Konzerte, die keiner Veränderung der antiken Struktur bedürfen, beschränkt bleiben. Zudem werden Voraussetzungen für komplexe Darbietungen, die Modifikationen der Substanz mit sich bringen, geschaffen.

 

Stufe 3: Konservierung und Wiedereröffnung der summa Cavea, des Eingangs S3, des zweiten und dritten Diazomas und der Portikus für Veranstaltungen mit einer maximalen Auslastung von 4.400 Besuchern

 

Stufe 3 ist die letzte Phase im Konservierungsprogramm des Theaters. Notwendig dafür sind archäologische Ausgrabungen im Norden sowie über der Portikus. Die dritte Stufe widmet sich in erster Linie dem Besucherraum, allerdings kann auch daran gedacht werden, in dieser Gestaltungsphase die visuell und architektonisch bedeutende Fassade des Nord-Analemmas sowie die Substruktionskammern einzubeziehen.

 

Die Kampagne 2011

Im Jahr 2011 wurde die Konsolidierung des Süd-Analemmas fortgesetzt. Zahlreiche im Bruchsteinmauerwerk entdeckte Risse erwiesen sich als wesentlich tief greifender als erwartet, wodurch sich auch der Abschluss der Arbeiten verzögerte. Zudem wurde die Betonhaut, die während früherer Restaurierungsarbeiten über die Opus-Caementicium-Oberfläche aufgebracht worden war, abgenommen und durch Kalkmörtel ersetzt.

 

Nach einer gründlichen Reinigung der media Cavea, bei der auch die Felsoberfläche von biogenem Bewuchs befreit und Risse geschlossen wurden, erfolgte eine flächige Ausgrabung des ersten Diazomas. Auf eine Dokumentation des archäologischen Befunds verfüllte man die gesamte Fläche mit Bruchsteinen und Kalkmörtel bis auf das antike Gehniveau.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten lag im Nordeingang in das erste Diazoma. Der Aufgang wurde gesichert, unterstützt durch stabilisierende Stützelemente aus Stahl. Planung und Ausführung erfolgte durch die Firma Convex, an der Finanzierung beteiligte sich maßgeblich die Ephesus Foundation.

 

Nach dem Abschluss dieser Arbeiten wird es möglich sein, den südlichen Eingang in das Theater nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wieder zu öffnen und den Touristenstrom gleichmäßig zu verteilen.

 

 

Kontakt

Sabine Ladstätter

Nevin Esin Tekin